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RGC Hansa ist Champions-League-Sieger 

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© RGC Hansa Champions-League-Sieger 2026 RGC Hansa. v. li.: Cheftrainer Mario Turloff, Co-Trainer Torsten Schroiff, Fabian Diehm, Kilian Kollrep, John Turloff, Reno Tiede, Jonathan Dunkelmann, Phillipp Schrader, Christiane Honermeier und Christoph Görtz

Rostock/Berlin. Am Mittwochabend stand in der Mitte des Kreises noch nichts. Die Mannschaft des Rostocker Goalballclubs (RGC) Hansa hatte sich nach ihrer Ankunft in Berlin vor dem Olympiastadion versammelt. Unter den olympischen Ringen bildeten Spieler und Trainer einen Teamkreis. Dort schwor Reno Tiede – Spieler und Vereinsvorsitzender sowie Geschäftsführer des Verbandes für Behinderten- und Rehasport Mecklenburg-Vorpommern –, die Mannschaft auf die kommenden vier Tage der Champions-League-Endrunde ein – und gab ihr ein Versprechen mit auf den Weg:
„Wenn wir an diesen Ort zurückkehren, dann wird in der Mitte unseres Kreises ein Pott stehen.“

Vier Tage später stand der Pott in der Mitte 

Vier Tage später kehrte der RGC Hansa tatsächlich zurück. Wieder Olympiastadion. Wieder die olympischen Ringe. Wieder ein großer Kreis. Diesmal waren auch Fans und Ehrenamtliche dabei. Und in der Mitte stand er wirklich: der Pokal der EGCA Champions League 2026.
Der RGC Hansa ist erstmals in seiner Vereinsgeschichte Champions-League-Sieger und damit Europas beste Goalball-Vereinsmannschaft!

Nach den zwei verlorenen Champions-League-Endspielen 2024 und 2025 gelang den Rostockern beim dritten Finaleinzug in Folge der ganz große Wurf. Schon vor dem Turnier hatte die EGCA (European Goalball Club Association) den ersten europäischen Titel der Vereinsgeschichte als klares Rostocker Ziel beschrieben. 

Vier Gruppenspiele, vier Gesichter

Bereits die Gruppenphase zeigte eine der großen Stärken dieser Mannschaft: ihre Variabilität. In allen vier Vorrundenbegegnungen (Nilüfer Buges 15:8, CA Cultural 6:4, Aarhus Goalball 7:4, FSBU Gothenburg 1:3) trat der RGC mit unterschiedlichen Formationen und Aufstellungen an. Für die Gegner war kaum vorhersehbar, mit welcher Besetzung Rostock das nächste Spiel angehen würde.
Der Kader mit Fabian Diehm, Kilian Kollrep, John Turloff, Reno Tiede, Phillipp Schrader und Jonathan Dunkelmann sowie Cheftrainer Mario Turloff und Co-Trainer Torsten Schroiff, Christoph Görtz und Christiane Honermeier verfügte damit über zahlreiche taktische Optionen. 
Nach der Gruppenphase und dem Viertelfinale (Fen Tigers 13:4) folgte schließlich jenes Spiel, das zu einem der emotionalen Höhepunkte des gesamten Turniers werden sollte.

Ein Halbfinale für die Nerven

Im Halbfinale gegen Old Power aus Finnland erwischten die Rostocker zunächst den schlechteren Start. 0:2. Dann 1:3. Die Hansestädter kämpften sich auf 2:3 heran, mussten anschließend aber wieder zwei Tore Rückstand hinnehmen (2:4). Noch Mitte der zweiten Halbzeit lag der RGC Hansa mit 4:6 hinten.

Doch Rostock kam zurück.
Tor für Tor arbeitete sich die Mannschaft heran, glich aus und ging schließlich selbst in Führung. Kurz vor dem Ende stand es 8:7 für den RGC Hansa.

Noch sieben Sekunden. Einwurf für Finnland.
Die Rostocker mussten nur noch diese eine letzte Situation überstehen. Doch praktisch mit dem Abpfiff fand der Ball noch einmal den Weg ins Rostocker Tor.
8:8.
Während die Finnen den späten Ausgleich bejubelten, mussten die Männer von Coach Mario Turloff innerhalb weniger Augenblicke den sicher geglaubten Finaleinzug aus den Köpfen bekommen und sich neu sammeln. Das Halbfinale ging ins Golden Goal: Der nächste Treffer würde entscheiden.
Und den erzielte Rostock.
9:8. Finale.

Ein Protest und ein langer Abend

Doch selbst mit dem Schlusspfiff war dieses Halbfinale noch nicht beendet. Die Finnen legten Protest ein. Hintergrund war eine Szene beim Stand von 4:6: Einer seiner Würfe war nach Auffassung des RGC-Gegners hinter der Torlinie gewesen, vom Schiedsrichtergespann jedoch nicht als Treffer gewertet worden. Auf Grundlage nachträglich gesichteter Videoaufnahmen beantragte die finnische Seite, das Tor anzuerkennen und die letzten 7:11 Minuten der Partie beim daraus resultierenden Spielstand von 7:4 erneut auszutragen.
Dem Protest wurde nicht stattgegeben.
In dieser Situation konnte sich der RGC Hansa auch auf Unterstützung aus Rostock verlassen.
„Ein ganz besonderer Dank gilt unserem Anwalt Gunnar Kempf. Gunnar begleitet unseren Verein praktisch seit seiner Entstehungsphase und ist damit ein Mann der ersten Stunde. Auch spät am Samstagabend war er für uns erreichbar und hat uns mit seiner Erfahrung tatkräftig zur Seite gestanden. Das ist alles andere als selbstverständlich. Dafür sind wir ihm unglaublich dankbar“, so Reno Tiede 
Damit stand fest: Rostock würde am Sonntag tatsächlich um den Titel spielen.

Acht Tore vorn – und plötzlich steht das Finale auf Messers Schneide

Im Endspiel gegen Çankaya aus der Türkei waren die Rostocker vom ersten Moment an da. erwischten einen herausragenden Start, übernahmen die Kontrolle und bauten den Vorsprung immer weiter aus.
Zwischenzeitlich lagen acht Tore zwischen beiden Mannschaften.
Der Champions-League-Pokal schien zum Greifen nah.
Doch ein Finale ist erst vorbei, wenn die letzte Sekunde gespielt ist.
In der zweiten Halbzeit verlor der RGC Hansa zunehmend die Kontrolle über die Partie. Aus dem komfortablen Vorsprung wurde plötzlich wieder ein enges Spiel. Rund zweieinhalb Minuten vor dem Ende betrug die Rostocker Führung nur noch zwei Treffer.
Das Spiel stand noch einmal auf Messers Schneide.
Doch genau in diesem Moment zeigte der RGC jene Qualität, die ihn durch dieses gesamte Wochenende getragen hatte. Die Mannschaft fing sich, behielt die Nerven und setzte selbst noch einmal die entscheidenden Treffer.
14:10.
Dann war Schluss.

„Jetzt diesen Titel zu holen, ist die absolute Krönung“

Für Cheftrainer Mario Turloff ist der Triumph auch das Ergebnis einer außergewöhnlichen Konstanz auf europäischem Spitzenniveau.
„Ich bin unheimlich stolz auf diese Mannschaft. Was die Jungs hier geleistet haben, ist Wahnsinn. Dreimal in Folge ein Champions-League-Finale zu erreichen ist für sich genommen schon eine riesige Leistung. Zweimal mussten wir erleben, wie es sich anfühlt, ganz nah dran zu sein. Jetzt diesen Titel tatsächlich zu holen ist die absolute Krönung. Die Mannschaft hat sich das verdient.“

John Turloff prägt das Turnier

Eine herausragende Rolle spielte dabei erneut John Turloff. Schon in der Qualifikationsrunde in Barcelona war der Rostocker zum MVP (wertvollsten Spieler) gewählt worden; die EGCA hatte ihn vor der Finalrunde als zentralen Rostocker Offensivspieler hervorgehoben. 
Im Finale übernahm John Turloff erneut enorme Verantwortung und erzielte 13 der 14 Rostocker Treffer. Für Reno Tiede steht deshalb unabhängig von der offiziellen MVP-Wahl fest, wer für ihn der prägende Spieler dieses Turniers war:
„Wir respektieren selbstverständlich die offizielle MVP-Wahl und die Entscheidung der Trainer und Schiedsrichter. Aber für mich persönlich gibt es nach diesem Turnier überhaupt keine Diskussion: John ist mein MVP. Was dieser Junge hier abgerufen hat, war völlig abgefahren. Er hat Verantwortung übernommen, wenn es darauf ankam, und eine außergewöhnliche Leistung gezeigt. Für mich kann es nur einen geben – und das ist John Turloff.“
Mit 54 Treffern wurde John auch Top Scorer des Champions-League-Finalturniers. Die weiteren Rostocker Tore erzielten: Kilian Kollrep 5, Fabian Diehm 2, Phillipp Schrader 2, Reno Tiede 1.

Ein Titel, der nicht an vier Tagen entsteht

So spektakulär die vier Tage in Berlin waren: Beim RGC Hansa ist man sich bewusst, dass dieser Champions-League-Sieg nicht erst in der Hauptstadt entstanden ist. Er ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit – und enger Partnerschaften in Mecklenburg-Vorpommern.
Stellvertretend für den gesamten Verein bedanken sich Reno Tiede und die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Käthe Glasenapp insbesondere beim Verband für Behinderten- und Rehasport Mecklenburg-Vorpommern und beim CJD in Rostock.
„Dieser Erfolg wäre ohne unsere Partner in dieser Form nicht möglich. Ein besonderer Dank geht an den VBRS und das CJD. Mit dem VBRS arbeiten wir seit vielen Jahren Hand in Hand an der Entwicklung des Goalballs in Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere hier in Rostock. Diese Zusammenarbeit ist partnerschaftlich, freundschaftlich und gleichzeitig hochprofessionell. Die Bronzemedaille unserer Frauen in der Champions League und jetzt dieser Titel unserer Männer sind auch der Lohn jahrelanger gemeinsamer Arbeit“, so Käthe Glasenapp.
Auch die Trainingsbedingungen am CJD bilden eine entscheidende Grundlage. Die moderne Wettkampfhalle auf dem CJD-Campus wurde 2024 eröffnet und ist speziell auf die Anforderungen von Goalball ausgerichtet. 
„Das CJD ist über viele Jahre zu unserem sportlichen Zuhause geworden. Mit der neuen, speziell auch für Goalball konzipierten Halle haben wir Bedingungen, die es uns ermöglichen, kontinuierlich und zu vernünftigen Zeiten auf höchstem Niveau zu trainieren. Spitzenleistung entsteht nicht erst an einem Finalwochenende. Sie entsteht an all den Trainingstagen davor. Deshalb gilt auch dem CJD unser ganz besonderer Dank“, ergänzt der RGC-Vorstandsvorsitzende Reno Tiede.

Fanbus wird zur mobilen Partylocation

Und dann waren da noch diejenigen, die in keiner Ergebnisstatistik auftauchen. Schon während des gesamten Turniers sorgten Anhänger des RGC Hansa für Unterstützung von der Tribüne. Zum Finaltag machte sich schließlich eigens ein Fanbus aus Rostock auf den Weg nach Berlin.

Nach dem Abpfiff stiegen Mannschaft und Fans gemeinsam ein.
Aus dem Fanbus wurde ein Meisterbus – oder eher: eine mobile Partylocation. Musik, Gesänge, Jubel und die Erleichterung nach vier außergewöhnlichen Tagen begleiteten die Mannschaft auf dem Weg zurück an die Ostsee.
Doch eine Station fehlte noch.
Der Bus hielt noch einmal am Olympiastadion. Dort, wo vier Tage zuvor alles begonnen hatte.
Spieler, Trainer, Ehrenamtliche und Fans stellten sich gemeinsam unter die olympischen Ringe. Wieder bildeten sie einen großen Kreis. Wieder hallte der Schlachtruf des RGC in den Berliner Himmel: „RGC HANSA – AHU!“

Nur eine Sache war diesmal anders. In der Mitte stand der Pokal. Das Versprechen vom Mittwochabend war eingelöst.

Der RGC Hansa Rostock ist Champions-League-Sieger 2026.

Reno Tiede