Im Zuge der deutschen Olympiabewerbung stellt der LSB MV junge Sportlerinnen und Sportler aus unserem Bundesland in einer Interviewreihe vor. Sie geben Einblicke in ihren sportlichen Werdegang, ihre Ziele und ihre Motivation. Dabei wird deutlich, welche Bedeutung der Traum von Olympischen Spielen für den Nachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern hat.
Marcus Klemp
Wer bist du, wie alt bist du und welche Sportart betreibst du?
Hallo, mein Name ist Marcus Klemp, ich lebe und arbeite in Ribnitz-Damgarten und Rostock, bin 43 Jahre alt und rudere seit 1996, mittlerweile seit etwa 5 Jahren beim ORC Rostock.
Wie bist du zu deinem Sport gekommen?
In meiner Kindheit war ich aktiver Angler. Die vorbeifahrenden Ruderer auf der Recknitz oder dem Ribnitzer See, die ich dabei in meinem Heimatort beobachten konnte, weckten mein Interesse. Mit ihrer nahezu lautlosen Eleganz und Geschwindigkeit hatten sie ihren Reiz. Irgendwann kam ich mit dem Trainer ins Gespräch und ging zum Probetraining.
Aufgrund einer angeborenen Nervenerkrankung bin ich Pararuderer und habe u.a. bisher dreimal für Deutschland an den Paralympics teilgenommen.
Sportliche Ziele und Motivation
Was motiviert dich an Tagen, an denen es besonders hart ist?
Für viele Ruderer bedeuten die langen Wintereinheiten auf dem Ruderergometer eine solche Härte. Für mich heißt es dann manchmal eben Augen zu und durch.
Was ist dein größter sportlicher Traum?
Mein Ziel ist es, mich im kommenden Jahr im Rahmen der Ruderweltmeisterschaften in Luzern noch einmal für die Paralympics zu qualifizieren und 2028 in Los Angeles als Teilnehmer dabei zu sein.
Olympia
Was bedeuten die Paralympics für dich?
Die Paralympics sind in vielen Sportarten, wie auch im Rudern, der größte Wettkampf, den man als Sportler (Ich spreche wie hier immer ausdrücklich auch von Sportlerinnen) erreichen kann. Ab einem gewissen Zeitpunkt während meiner sportlichen Laufbahn war einfach klar und greifbar, dass ich darauf hinarbeite. Olympia/ die Paralympics war und ist DAS sportliche Ziel. Ich bin unglaublich froh und stolz auf die Erlebnisse und Begegnungen, die mir der Sport ermöglicht hat.
Was hältst du von der deutschen Olympiabewerbung?
Wir Deutschen durften seit München1972 keine Sommerspiele im eigenen Land erleben. Wenn ich richtig informiert bin, geht es hier um eine Olympiabewerbung für 2036, 2040 oder 2044. Meine Gedanken richten sich hier also an eine kommende Generation junger Sportler. Ich glaube, wir sind als Land wieder bereit und ich freue mich, dass ernsthaft versucht wird, die Spiele erneut nach Deutschland zu holen. Es ist einfach ein tolles, mitreißendes, weltweites Sportspektakel.
Warum wäre Olympia bei uns eine große Chance – gerade für junge Sportler und Sportlerinnen?
2024 in Paris waren insgesamt sechs Sportler und Sportlerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern dabei. Diese Zahl halte ich für zumindest ausbaufähig.
Wir gehen mit der Bewerbung aus meiner Sicht nicht nur das Willensbekenntnis ein, die Spiele nach Deutschland zu holen, sondern die daraus resultierende Aufgabe, vielen heute heranwachsenden jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland einen Weg und eine auch konkurrenzfähige Teilnahme als Sportler an Olympischen Spielen zu ermöglichen. Die Zeit für diesen Teil der Vorbereitung im Sport läuft längst.
Die Zustimmung, Begeisterung und Freude der Gesellschaft wird umso größer sein, wenn wir als Gastgeber viele deutsche Sportler an den Start bringen, denen wir die Daumen drücken und zujubeln können. Wenn uns das gelingt, haben Sportfreunde in ganz Deutschland und in der Welt die Chance, einig hinter Olympia zu stehen und ein internationales Sportfest zu feiern. Auch damit man sich die Frage, ob die Gesellschaft demgegenüber positiv gestimmt ist, nicht zu oft stellen lassen muss.
Vielleicht haben wir darüber hinaus die Chance, ein paar junge Menschen von den Ablenkungen durch Smartphones zwischen Games und Social Media zurück in einen aktiven, ausgeglichenen Alltag mit Sport zu holen. Das wäre mein Wunsch.
Auch das Thema der Nachhaltigkeit insbesondere bei baulichen Maßnahmen für Olympia hat bei vergangenen Olympischen Spielen an Bedeutung gewonnen und ist immer wieder ein Gradmesser für die Zustimmung. Wie werden die Gebäude danach genutzt?
Dein persönlicher Olympia-Traum in einem Satz?
Am Ufer zu stehen und Olympische Segelwettkämpfe vor Warnemünde zu beobachten.
Viele andere Olympia-Träume habe ich mir bereits erfüllt.
