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Auf dem Weg zu den Jugendsportspielen MV

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Junge Talente im Porträt

Wenn Ende Juni 2026 die besten Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler Mecklenburg-Vorpommerns zu den 17. Jugendsportspielen des Landessportbundes MV in Neubrandenburg zusammenkommen, stehen nicht nur Medaillen und Wettkämpfe im Mittelpunkt – sondern vor allem die Menschen hinter den sportlichen Leistungen. In den Wochen vor den Spielen stellen wir deshalb junge Athletinnen und Athleten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern vor: ihre Sportart, ihren Trainingsalltag, ihre Ziele und die Leidenschaft, die sie antreibt.
Die Sportlerportraits geben Einblicke in die Vielfalt des Nachwuchsleistungssports im Land und zeigen, mit wie viel Ehrgeiz, Disziplin und Teamgeist sich die Talente auf die Jugendsportspiele vorbereiten. Gleichzeitig erzählen sie Geschichten von persönlichen Erfolgen, besonderen Momenten und der Freude am Sport – stellvertretend für viele engagierte junge Menschen in den Vereinen Mecklenburg-Vorpommerns.

Heute:

Finja Schlünz

vom Schützenverein „Vier Tore“ Neubrandenburg

Finja Schlünz und Ariane Dahms –

Zwei Nachwuchstalente mit ruhiger Hand und großen Zielen

Auf den ersten Blick wirkt Sportschießen ruhig und unspektakulär. Wer jedoch einmal erlebt hat, mit welcher Konzentration, Präzision und mentalen Stärke junge Athletinnen wie Finja Schlünz und Ariane Dahms arbeiten, merkt schnell: Hinter jedem perfekten Schuss steckt weit mehr als nur „stehen und schießen“.

Die beiden Nachwuchstalente trainieren beim Schützenverein „Vier Tore“ Neubrandenburg und zählen zu den größten Hoffnungen im Sportschießen in Mecklenburg-Vorpommern. Beide schießen mit der Luftpistole, Finja zusätzlich auch mit der Sportpistole.

Die 2009 geborene Finja Schlünz hat bereits beeindruckende Erfolge gesammelt. Sie besitzt den NK2-Kaderstatus, wurde 2024 Deutsche Meisterin mit der Luftpistole und sicherte sich bislang vier Landesmeistertitel. Ariane Dahms, Jahrgang 2012, gehört bereits dem Landeskader an und konnte in ihrer Altersklasse ebenfalls schon Landesmeisterschaften gewinnen. Trotzdem steht die 13-Jährige noch ganz am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn.

Dass Finja überhaupt zum Sportschießen kam, war eher Zufall. Ursprünglich spielte sie Handball, fühlte sich dort aber nie wirklich wohl. Weil sie trotzdem am Sportgymnasium bleiben wollte, begann die Suche nach einer neuen Sportart – mitten in der Corona-Zeit. Probetrainings waren damals schwierig zu organisieren. Die entscheidende Idee kam schließlich auf ganz ungewöhnliche Weise.

„Ganz klischeehaft bin ich mal an eine Schießbude gegangen“, erzählt Finja lachend. „Ich habe 18 von 20 getroffen und dann meinte meine Mutter: Wir probieren das mal mit Sportschießen.“ Schon nach dem dritten von sechs Probetrainings bekam sie von den Trainern zu hören, dass sie großes Talent habe. „Und seitdem bin ich hier.“
Damals war Finja elf Jahre alt und in der sechsten Klasse. Heute besucht sie die zehnte Klasse und gehört bereits dem Nachwuchskader des Deutschen Schützenbundes an.

Auch Ariane fand eher zufällig zum Schießsport. „Über einen Schulfreund in der Grundschule“, erzählt sie. Seit der fünften Klasse besucht sie das Sportgymnasium Neubrandenburg und trainiert inzwischen regelmäßig auf hohem Niveau.

Was beide am Sportschießen fasziniert, erklären sie unterschiedlich – und doch ähnlich. Für Finja ist es vor allem die Kombination aus Präzision, Disziplin und dem ständigen Streben nach Verbesserung. „Der Wille, sich zu steigern und die Zehn zu schießen“, beschreibt sie ihren Antrieb. Besonders reizvoll findet sie außerdem die Abwechslung zwischen Luft- und Sportpistole. Ariane bringt es einfacher auf den Punkt: „Die Freude am Sportschießen und die Zehn zu treffen.“

Der Alltag der beiden Athletinnen ist klar strukturiert. „Training – Schule – Training“, fasst Finja ihren Tagesablauf knapp zusammen. Oft beginnt der Tag bereits um sieben Uhr morgens mit der ersten Einheit in der Halle. Die Bedingungen in Neubrandenburg seien hervorragend, ebenso das Vereinsleben. „Ich fühle mich hier sehr wohl und auch die Trainer sind super“, findet die Zehntklässlerin.

Besonders beeindruckend ist dabei die Zusammenarbeit mit dem seit knapp einen Jahr im dienst stehenden Landestrainer Ralf Schumann. Der dreifache Olympiasieger arbeitet in Neubrandenburg mit den Nachwuchsschützinnen. „Im Alltag nimmt man das gar nicht so wahr“, sagt Finja. „Aber wenn ich zuhause bin, denke ich manchmal schon: Mit wem habe ich da gerade eigentlich trainiert?“

Ariane beschreibt ihren Alltag ähnlich: „Training, Schule, Hausaufgaben bestimmen den Tag.“ Auch sie fühlt sich im Verein und am Sportgymnasium sehr wohl. Eine wichtige Rolle spielt dabei ihre Familie. Ihre Mutter ist ebenfalls im Verein aktiv und unterstützt sie intensiv. „Manchmal ist der Alltag schon stressig, aber mit der Unterstützung von zuhause klappt das gut.“

Der größte Unterschied zwischen beiden liegt aktuell vor allem im Trainingsumfang. Während Finja sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert, kommt Ariane derzeit auf etwa fünf Einheiten. Besonders schätzen beide die enge Verzahnung von Schule und Leistungssport am Sportgymnasium. „Die Möglichkeit, auch vormittags trainieren zu können, ist ein immenser Mehrwert“, erklärt Finja. „Wenn es dieses Konstrukt nicht geben würde, könnten wir niemals so häufig trainieren.“ Zumal Sportschießen weit mehr als ruhiges Zielen bedeutet. Gerade für Außenstehende sei das oft schwer nachvollziehbar. „Es ist total abwechslungsreich“, erklärt Finja. „Es gibt unglaublich viele Technikelemente.“ Dazu gehören beispielsweise der Halteraum oder das präzise Arbeiten auf unterschiedliche Scheibenbilder. Außerdem sei körperliche Fitness enorm wichtig. Krafttraining, Ausdauerläufe und Schwimmen gehören ebenfalls zum Trainingsalltag. „Der Athletikteil macht mir am wenigsten Spaß“, gibt Finja ehrlich zu. „Ich hasse ihn nicht, aber Lust habe ich nicht immer drauf. Trotzdem weiß ich, wie wichtig körperliche Fitness ist.“ Ariane sieht das ähnlich. 

Noch wichtiger und das unterschätzen laut dem Duo oft ihre Mitschüler und ihr weiteres Umfeld, sei allerdings die mentale Stärke. „Viele unterschätzen das“, sagt sie. „Es heißt immer nur stehen und schießen. Aber bei uns ist ganz viel Kopf dabei.“ Wenn die mentale Verfassung nicht stimme, funktioniere auf dem Schießstand oft kaum etwas. „Uns muss es schon gut gehen“, erklärt Finja

Die sportlichen Ziele beider Athletinnen sind ambitioniert. Finja möchte wieder den Sprung in den Nationalkader schaffen – sowohl mit der Luft- als auch mit der Sportpistole. Langfristig träumt sie von Weltcups und Olympia.

Auch Ariane denkt bereits groß: „Ich würde gern wieder an Deutschen Meisterschaften teilnehmen und dort möglichst weit vorne landen.“ Und natürlich habe auch sie einen olympischen Traum: „Wer träumt nicht davon?“

Trainer Ralf Schumann sieht bei beiden enormes Potenzial. „Finja hat sehr viel Talent und ist schon weit gekommen“, sagt der Olympiasieger. „Und Ariane hat den Vorteil, sehr früh angefangen zu haben. Auch sie bringt enorm viel Talent mit.“

Die nächste große Bühne wartet bereits Ende Juni: Dann treten beide bei den Landesjugendsportspielen auf der heimischen Anlage in Neubrandenburg an – mit ruhiger Hand, klarem Fokus und großen Zielen vor Augen.

Tilo Berner

(im Auftrag des LSB MV)