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Auf dem Weg zu den Jugendsportspielen MV

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© Tilo Berner
Junge Talente im Porträt

Wenn Ende Juni 2026 die besten Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler Mecklenburg-Vorpommerns zu den 17. Jugendsportspielen des Landessportbundes MV in Neubrandenburg zusammenkommen, stehen nicht nur Medaillen und Wettkämpfe im Mittelpunkt – sondern vor allem die Menschen hinter den sportlichen Leistungen. In den Wochen vor den Spielen stellen wir deshalb junge Athletinnen und Athleten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern vor: ihre Sportart, ihren Trainingsalltag, ihre Ziele und die Leidenschaft, die sie antreibt.

Die Sportlerportraits geben Einblicke in die Vielfalt des Nachwuchsleistungssports im Land und zeigen, mit wie viel Ehrgeiz, Disziplin und Teamgeist sich die Talente auf die Jugendsportspiele vorbereiten. Gleichzeitig erzählen sie Geschichten von persönlichen Erfolgen, besonderen Momenten und der Freude am Sport – stellvertretend für viele engagierte junge Menschen in den Vereinen Mecklenburg-Vorpommerns.

Heute:

Piet Kindt

– BMX-Freestyle mit großen Zielen

Mit gerade einmal 16 Jahren gehört Piet Kindt bereits zu den größten Nachwuchshoffnungen im deutschen BMX-Freestyle. Der 2009 geborene Sportler ist deutscher Vizemeister in der Altersklasse U18 und aktuell die Nummer zwei in seinem Alter in Deutschland. Außerdem besitzt er den NK2-Kaderstatus in Mecklenburg-Vorpommern – ein weiterer Beleg dafür, wie viel Potenzial in ihm steckt.

Geboren wurde Piet in Rostock, wohnte auch die ersten Jahre in der Ostseestadt, später zog seine Familie nach Gelbensande. Vor knapp drei Jahren folgte dann der nächste große Schritt: der Wechsel nach Neubrandenburg. Seit der achten Klasse lebt und trainiert er in der Vier-Tore-Stadt – rund 150 Kilometer von zuhause entfernt. Eine Entscheidung, die Mut verlangte. Gerade die ersten Monate im Internat seien hart gewesen. „Sich selbst organisieren, früh aufstehen – das war am Anfang schon schwierig“, erzählt Piet. Heute funktioniere das System aus Schule und Leistungssport jedoch hervorragend. Rückblickend sagt er klar: „Es war die richtige Entscheidung, nach Neubrandenburg zu kommen.“

Zum BMX kam Piet durch seinen Vater Sascha, der selbst Motocross, Mountainbike und BMX fährt. Erste Erfahrungen sammelte er zunächst auf einem kleinen Dirtbike (Art kleines Mountainbike), bevor er mit etwa zehn Jahren richtig auf das BMX-Rad wechselte. Trainiert wurde damals nicht nur auf offiziellen Anlagen, sondern auch zuhause: Sie kauften von einem befreundeten Tischler eine Halfpipe, die sie dann anschließend gemeinsam vergrößerten. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin“, erinnert sich Piet an seine Anfänge. Von dort an entwickelte sich alles Schritt für Schritt weiter.

Zunächst trainierte er zweimal pro Woche, fuhr dafür extra nach Neubrandenburg. Doch schnell wurde klar, das langt nicht. „Das war dann halt auf Dauer mit der Hin- und Rückfahrt aus Gelbensande auch echt stressig“, sagt Piet über die vielen Fahrten. Also entschied er sich früh für den nächsten Schritt – den in den Leistungssport ans Sportgymnasium.

Der 16-Jährige fährt ausschließlich BMX-Freestyle – die olympische Disziplin, bei der Fahrer in einer Arena mit Rampen ihre Tricks in einem bewerteten Lauf zeigen. Andere BMX-Formen wie Flatland oder Street reizten ihn weniger. Besonders liebt Piet die Vielseitigkeit seines Sports: „Es gibt eigentlich immer neue Tricks, die man lernen kann.“ Genau das mache BMX für ihn so einzigartig. „Das schönste Gefühl ist, wenn man einen Trick endlich gelernt hat.“

Die Sprache des Sports ist stark vom Englischen geprägt. Tricks tragen Namen wie „Tailwhip“, bei dem sich der Rahmen einmal um Lenker und Gabel dreht, oder „X-Up“, bei dem der Lenker in der Luft um 180 Grad gedreht wird, sodass die Arme ein X bilden. Bei diesen ganzen Anglizismen kommt vor allem einer in der Familie dann nicht mehr so mit, die Mama. „Sie weiß um die Schwere der Tricks, die ich mir da versuche anzueignen, doch benennen könnte sie sie nicht gleich“, meint Piet mit einem Schmunzeln.

Auch wenn BMX seine große Leidenschaft ist, gibt es Momente, die weniger Spaß machen. „Allein und bei Kälte trainieren ist nicht so toll“, sagt Piet offen. Umso wichtiger sei die Trainingsgruppe in Neubrandenburg. Dort habe sich eine starke Gemeinschaft entwickelt. Besonders Trainer Daniel Jahnke habe ihn enorm geprägt. „Von ihm konnte ich schon richtig viel lernen.“

Jahnke sieht in seinem Schützling großes Potenzial: „In Piet steckt eine Menge drin. Wenn er in den nächsten Jahren so fleißig weiter trainiert, dann werden wir noch viel Spaß an ihm haben. Dann sollte auch international einiges drin sein.“

Wie nah Piet bereits an der internationalen Szene dran ist, zeigte sich Mitte Mai beim Weltcup in Montpellier. Dort startete er in der Open-Männer-Klasse der sogenannten zweiten Liga. Da auch die Elite-Männer dort am Start war, traf er auch schon mal auf einige der größten Namen des Sports – darunter auch den argentinischen Olympiasieger Jose Torres Gil. Zwar durfte Piet noch nicht im Elite-Wettbewerb antreten, doch allein die Atmosphäre beeindruckte ihn nachhaltig.

In diesem Sommer stehen für ihn zunächst die Landesjugendsportspiele in der heimischen Arena in Neubrandenburg an, bevor im Spätsommer die Deutschen Meisterschaften folgen. Langfristig träumt Piet von Olympia und den X-Games. Besonders die amerikanische BMX-Kultur fasziniert ihn: „Ich mag den amerikanischen Vibe.“ Auch ein späterer Aufenthalt in den USA könne er sich vorstellen – sein Vater war bereits dort.

Und während ihm die Rampen früher ziemlich hoch vorkamen, sind die Ansprüche inzwischen gewachsen. „Am Anfang waren die Rampen, die ich zum Trainieren hatte schon gut“, sagt Piet schmunzelnd. „Jetzt will man natürlich immer höher hinaus.“ Und wer weiß vielleicht sieht man Piet Kindt 2032 bei den Olympischen Spielen in Brisbane hoch hinausspringen.

Tilo Berner
(im Auftrag des LSB MV)