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Auf dem Weg zu den Jugendsportspielen MV

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© Ralf Herbst
Junge Talente im Porträt

Wenn Ende Juni 2026 die besten Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler Mecklenburg-Vorpommerns zu den 17. Jugendsportspielen des Landessportbundes MV in Neubrandenburg zusammenkommen, stehen nicht nur Medaillen und Wettkämpfe im Mittelpunkt – sondern vor allem die Menschen hinter den sportlichen Leistungen. In den Wochen vor den Spielen stellen wir deshalb junge Athletinnen und Athleten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern vor: ihre Sportart, ihren Trainingsalltag, ihre Ziele und die Leidenschaft, die sie antreibt.
Die Sportlerportraits geben Einblicke in die Vielfalt des Nachwuchsleistungssports im Land und zeigen, mit wie viel Ehrgeiz, Disziplin und Teamgeist sich die Talente auf die Jugendsportspiele vorbereiten. Gleichzeitig erzählen sie Geschichten von persönlichen Erfolgen, besonderen Momenten und der Freude am Sport – stellvertretend für viele engagierte junge Menschen in den Vereinen Mecklenburg-Vorpommerns.

Heute:

Max Lübeck

Schwimmer vom PSV Schwerin

Immer auf der Jagd nach neuen Bestzeiten

Max Lübeck ist zwar gerade erst elf, aber bereits jetzt lässt sich sagen, dass Olympia seinem Leben schon einen entscheidenden Kick verliehen hat. Genauer gesagt die Olympischen Sommerspiele in Paris 2024. Und ganz präzise: das Schwimm-Finale  am 27. Juli 2024 in der Pariser La Défense Arena über 400 m Freistil der Männer, in dem sich der Magdeburger Lukas Märtens zum Olympiasieger krönte. „Das hat mich unheimlich begeistert und von da an stand für mich fest: Das, was Lukas da geschafft hat, das will ich auch!“, beschreibt Max, was ihm gleich nach dem ersten Schwimm-Endlauf dieser Spiele durch den Kopf ging. Richtiggehend hin und weg war er ebenso vom Vierfacherfolg des französischen Superstars Léon Marchand, der über 100 m Brust, 200 m Schmetterling sowie 200 und 400 m Lagen olympisches Gold gewann. „Max klebte damals bei Olympia förmlich vor dem Fernseher, insbesondere beim Schwimmen. Er kannte alle Sieger und auch ihre Zeiten auswendig“, erinnert sich Max‘ Vater Thomas Lübeck an die weichenstellenden Sommertage vor zwei Jahren.

Geradezu folgerichtig bat ihn sein Sohnemann, ihn beim Schwimmen anzumelden – und rannte damit offene Türen ein. Denn die Familie Lübeck, zu der noch Mutter Sandra und Max‘ zwei Jahre ältere Schwester Anni gehören, bezeichnet sich selbst als „wasserverrückt“, frönt besonders dem Surfen und dem Tauchen. Entsprechend wassersportaffin wuchs Max auf: Mit vier Jahren machte er sein Seepferdchen, mit sechs veredelte er dies zum Schwimmabzeichen in Gold. Als Siebenjähriger wurde Max Juniorretter des ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) und ist seither bei Sommerkursen des ASB als Schwimmlehrergehilfe für die Seepferdchen-Ausbildung aktiv. Seinen Surfschein machte er mit acht und seit vorigem Jahr, da war er zehn, hat er einen Tauchschein.

Seine Wechselentscheidung vom Karate zu den Schwimmern des PSV Schwerin (Max: „Karate hat mir eigentlich auch Spaß gemacht. Aber wir hatten nur zwei Wettkämpfe im Jahr, das war mir auf die Dauer zu langweilig.“) erwies sich für den pfiffigen Burschen aus Jamel, einem Ortsteil der Gemeinde Banzkow vor den Toren der Landeshauptstadt, schnell als Glücksgriff. Als er kam, beherrschte er bereits alle Lagen, also Brust, Freistil, Rücken sowie Schmetterling, das sogar technisch schon recht sauber und auch mit ordentlich Tempo. So gelang ihm schon sehr bald nach seinem Einstieg zum Schuljahresbeginn 2024/25 der Sprung von der Anfänger- in die Leistungsgruppe. 

Bereits im Oktober 2024 ließ der heutige Fünftklässler des Schweriner Sportgymnasiums in Fachkreisen erstmals aufhorchen. Beim Neptun-Schwimmfest des PSV mit Gästen aus fast allen Teilen Norddeutschlands gewann Max alle seine Starts. Dass dies ausnahmslos mit persönlichen Bestzeiten geschah, versteht sich beim Wettkampfdebüt von selbst. Seine Hausrekorde schraubte er fortan in schöner Regelmäßigkeit weiter in die Höhe. „Im Wettkampf meine Bestzeiten zu verbessern, das ist das, was mir am Schwimmen am meisten gefällt“, erzählt er. Dafür nimmt er gern die Anstrengungen des Trainings mit seinen 2,7 bis 4 Kilometern pro Einheit auf sich. Diese Belastung mache ihm nichts aus, meint er. Sie falle umso leichter, da er sich in seiner Trainingsgruppe wohlfühle. Vier seiner Trainingskameraden – drei Jungs, ein Mädchen – sind seit diesem Schuljahr mit ihm am Sportgymnasium, sind also den ganzen Tag mit ihm zusammen. „Das macht großen Spaß, denn wir sind auch gut befreundet“, berichtet Max.

Manchmal allerdings, wenn der Tag besonders hart war, mache sich das am Abend noch bemerkbar. „Dann zittern mir beim Abendbrot ein wenig die Beine. Damit meldet sich verspätet der Muskelkater. Aber das ist nicht schlimm, das gehört dazu.“ 

Erst recht, wenn sich wie bei Max Erfolge einstellen. Zum Ende seines ersten Trainingsjahres führte er über 50 Meter Brust (geschwommen auf der 25-Meter-Bahn) sogar die deutsche Jahresbestenliste an. „Brust war letztes Jahr die Schwimmlage, in der ich am stärksten war“, resümiert Max denn auch und ergänzt: „Aber inzwischen bin ich noch besser im Schmetterling.“ 
Der Schmetterlingsstil, auch Delphin oder im Englischen Butterfly genannt, heißt bei den Schwimmern hierzulande verkürzt nur „Schmett“. Aus dem Mund von Max klingt das beinahe schon wie ein Kosewort. Kein Wunder, zählt er doch in diesem Jahr auf den beiden gängigen Schmetterlingsdistanzen seiner Altersklasse, die im Wettkampf inzwischen auf der 50-m-Bahn unterwegs ist, zur nationalen Spitze. Zweitschnellster Deutscher ist er über 100 Meter, Deutschlands aktuelle Nummer drei über 50 Meter. 
Seiner Liebe zum Brustschwimmen tut das jedoch keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. „Wenn ich später mal tatsächlich bei Olympischen Spielen starte, dann will ich mich breit aufstellen“, sagt der Elfjährige selbstbewusst und hat dabei zwei Strecken ganz besonders im Fokus: „Die 400 und die 200 Meter Lagen.“

Mehr Vielseitigkeit geht nicht im Schwimmen als diese Kombination aus Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil (so die offizielle Reihenfolge im Rennen). Dass Max mit seinem Bewegungstalent vielversprechende Anlagen dafür mitbringt, verdeutlicht nicht zuletzt sein Status als Landeskader. Um das zu werden, sind von einer Reihe bundesweit einheitlich gesetzter Leistungsnormen drei zu erfüllen. „Max hat sieben erfüllt, ist nicht nur in einer, sondern in jeder Schwimmlage für den Kader qualifiziert“, listet der Papa nicht ohne Stolz auf.

Thomas Lübeck ist inzwischen übrigens zum Co-Trainer beim PSV avanciert. Sozusagen angefixt vom Sohn, wie auch der Rest der Familie. Schwester Anni, ausgestattet natürlich mit den gleichen Befähigungsscheinen in Sachen Wassersport wie Max, ist seit April vorigen Jahres Schwimmerin. Mutter Sandra agiert als Kampfrichterin und hilft damit dem PSV, die verpflichtende Bereitstellung von Kampfrichtern zu realisieren. Schwimmen als Familienevent also – mit Max als Leuchtturm.

Welch talentierten Burschen er da in der Gruppe hat, weiß auch Trainer Dirk Mau, hütet sich aber tunlichst davor, die Bäume gleich in den Himmel wachsen zu lassen. „Sagen wir mal so: Das Wasser mag ihn – und Max mag das Wasser“, formuliert er deshalb eher defensiv. Dennoch: Ein Ritterschlag für Max aus dem Munde seines nicht gerade zu Lobeshymnen neigenden erfahrenen Coaches.
Was Max tatsächlich drauf hat, konnte er in diesem Frühjahr gleich mehrfach unter Beweis stellen. Zunächst sahnte er Mitte April bei den MV-Meisterschaften in Rostock mächtig ab. Sieben Landesmeistertitel heimste er ein. Herausragend dabei seine Leistung über 100 m Schmetterling. Seine Zeit hätte sogar bei den zwei Jahre älteren Jungs des Jahrgangs 2013 zum MV-Meistertitel gereicht; und bei den Norddeutschen Meisterschaften, die im Schwimmen Athleten aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen zusammenführt, war bei den ein Jahr Älteren, dem Jahrgang 2014, auch nur der Sieger schneller.

Bei den Landes-Jugendsportspielen in Neubrandenburg hat er erneut Gold im Visier. Allerdings werden dort Medaillen nicht über Einzelstrecken vergeben. Die Sportspiele bieten diesmal den Rahmen für den alljährlichen Landescup. Der geht als Mehrkampf mit jedoch unterschiedlicher Schwerpunktlegung auf Brust, Rücken, Freistil oder Schmetterling durchs Becken. In welchem Mehrkampf Max dabei möglichst viele Punkte für seinen PSV herausschwimmen soll, das hat der Verein noch nicht entschieden. Doch wie auch immer: „Ich möchte natürlich gewinnen“, stellt Max klar, der für sich selbst vornehmlich im Rückenschwimmen noch die größte Baustelle sieht. „Das ist für mich am schwierigsten, denn beim Rückenschwimmen kann ich das Ziel nicht sehen“, sagt der Junge, der ansonsten immer ganz klar aufs Ziel fokussiert ist.

In Sachen Mehrkampf hat er Ende April einen Erfolg einfahren können. In seiner Altersklasse gewann Max bei den Norddeutschen Mehrkampfmeisterschafen in Hamburg Silber. Dabei waren von den Teilnehmern in ihrer selbstgewählten Hauptlage – bei Max war das wenig verwunderlich Schmetterling – 100 und 200 m zu absolvieren. Hinzu kamen für alle verbindlich 200 m Lagen und 400 m Freistil. Komplettiert wurde der Mehrkampf schließlich durch 50 m Beinbewegung in der Hauptlage sowie 25 m Delphinkicks in Bauch- und auch in Rückenlage. Alles auf Zeit, versteht sich.

„Das war mein bisher größter Erfolg. Dabei haben mich die 100 Meter Schmetterling ,gerettet‘, da war ich der Schnellste“, erklärt Max und verrät: „Ich selbst hatte insgeheim auf eine Medaille gehofft. Aber für meine Mutti war dies auch mein bisher überraschendster Erfolg, denn ich war nur als Sechstbester der Meldeliste in Hamburg an den Start gegangen.“ 

Und stolz ist auch der Papa. „Natürlich, das bin ich immer, wenn Max auf dem Podium steht. Aber auch darüber, dass er ein fairer Sportsmann ist und neidlos anerkennt, wenn mal jemand besser ist.“
Eigentlich sollten die „Norddeutschen“ Max‘ Saisonhöhepunkt sein und er bald mehr Zeit haben für andere Sportarten, die er gern betreibt, wie Basketball, Fußball, Fitness oder dafür, sich im Pool zu aalen oder auch in Ruhe ein Buch zu lesen. „Allein in der Wildnis“ von Gary Paulsen hatte es ihm da kürzlich besonders angetan.  

Doch all das muss – oder besser darf – der pfiffige Schwarzschopf noch zurückstellen. Denn dank seiner Leistungssprünge in diesem Jahr wartet nun eine weitere und noch größere sportliche Herausforderung auf ihn. Er startet im Juni bei den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf. „Qualifiziert für die DM sind in jeder Lage die Top 20, die aus der Addition ihrer Zeiten über 100 und 200 Meter ermittelt werden“, erläutert Max‘ Papa und Co-Trainer. In dieser Rangliste findet sich Max‘ Name an fünfzehnter Stelle. Vielleicht stünde er noch weiter vorn, hätte man sich beim PSV nicht bewusst dafür entschieden, mit den für diese Altersklasse eher noch unüblichen 200 Metern erst sehr spät zu beginnen.

Insofern ist auch schwer zu sagen, was für Max bei der DM herausspringen kann. Sicher aber ist, dass allein die Qualifikation für die nationalen Titelkämpfe einen weiteren wichtigen Meilenstein auf seinem sportlichen Weg darstellt. Und wohin ihn dieser Weg einmal führen soll, davon hat Max schon sehr konkrete Vorstellungen. „Ich will zu Olympia und dort will ich auf jeden Fall Gold gewinnen“, sagt er kämpferisch.

Ralf Herbst

(im Auftrag des LSB MV)