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Eine Erfahrung, die ans Herz geht

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© SOD/ Sascha Klahn

Als Volunteer bei den Special Olympics Nationalen Spielen im Saarland

Swati Tikku und Robin Wurdinger gehören zu den mehr als 3.100 ehrenamtlichen Helfer*innen bei Deutschlands größtem Multisport-Event für Menschen mit geistiger Behinderung in 2026.

„Hantel geladen…. Beugen…. Ablegen….“ Die Kommandos des Kampfrichters beim Kraft-Dreikampf sind in der Congresshalle Saarbrücken klar zu verstehen. Das Publikum schaut gebannt zu, wie ein Sportler nach dem anderen die 60, 90 oder mehr als 100 Kilogramm schwere Hantel auf die Schulter nimmt, in die Kniebeuge geht, wieder aufsteht und das Gewicht dann auf einem Gestell ablegt.

Manchmal klappt das aber auch nicht so gut und ein Sportler kommt ins Wanken. Deshalb stehen Swati Tikku und Robin Wurdinger neben dem Sportler, sind bereit, die Hantel im Notfall abzufangen, damit sich der Sportler nicht verletzt. Wenn ein Athlet fertig ist, klatschen sie Beifall. Und auch der ganze Saal applaudiert. Es ist wieder einmal eine super Stimmung beim Kraft-Dreikampf.

Hat ein Sportler seinen Versuch beendet, wechseln Swati und Robin anschließend die Gewichte. „Die sind ziemlich schwer. Robin nimmt die großen Metallscheiben und ich die leichteren“, sagt Swati. Das Fazit der beiden nach der ersten Wettkampfrunde: „Puh, das ist ganz schön anstrengend.“

Swati und Robin sind so genannte Corporate Volunteers. Ihre Firmen unterstützen die Special Olympics Nationalen Spiele im Saarland. Insgesamt 20 Unternehmen nutzen diese Möglichkeit. Swati arbeitet bei Adidas und Robin bei s.Oliver. Beide Unternehmen ermöglichen ihnen, mehrere Tage neue Erfahrungen im Saarland zu sammeln. Mit den Eindrücken kehren sie dann in die Firmen zurück, berichten von ihren Erlebnissen und tragen so den Gedanken der Inklusion weiter. Das Konzept geht auf.

Beide erleben zum ersten Mal Special-Olympics-Wettbewerbe und sind begeistert von den Spielen und ihrer Aufgabe. „Es ist überwältigend. Für mich ist das eine große Inspiration. Bei Adidas gehört Vielfalt zum Unternehmen. Ich kann jetzt meine Erfahrungen von Inklusion im Sport mit einbringen“, erklärt die 35-jährige Swati. „Es ist ganz toll zu sehen, wie motiviert die Sportler sind und welchen Spaß sie haben. Da ist richtiges Feuer. Diese Erfahrung geht ans Herz. Davon werde ich in meiner Firma berichten“, sagt der 29-jährige Robin.

Beide erzählen auch begeistert von der Eröffnungsfeier der Nationalen Spiele im Saarbrücker Ludwigsparkstadion: „Das war alles sehr emotional.“ Die Energie zu spüren und die Freude der Sportlerinnen und Sportler zu sehen, sind für Swati und Robin wichtige Erfahrungen, die sie nicht vergessen werden. 
Insgesamt sind bei den Nationalen Spielen mehr als 3.100 Volunteers im Einsatz. Sie kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Die meisten sind aus dem Saarland. Sie helfen in jedem Bereich der Spiele, so bei der Essensausgabe, an den Info-Punkten, beim Transport und in der Logistik, an den Sportstätten und bei der Betreuung des Maskottchens Unity. Der älteste Ehrenamtliche ist 82 Jahre alt und die jüngsten Helfer sind 15 und gehen noch zur Schule.

Es gibt 25 so genannte Tandems in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. Das größte „Tandem“ stellt die Reha GmbH aus Neunkirchen, in der 19 Volunteers mit Behinderung und sechs ohne Behinderung bei den Spielen helfen.

Weil die Schwimmwettbewerbe bei diesen Spielen im französischen Ort Forbach stattfinden, gibt es zum ersten Mal auch deutsch-französische Volunteer-Teams, die vom deutsch-französischen Bürgerfonds gefördert werden.

„Die Volunteers verbreiten überall eine sehr gute Stimmung und machen einen super Job. Sie sind neben den Athleten die Gesichter der Spiele und zeigen, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft Inklusion unterstützt“, sagt Felix Velten, Koordinator Volunteer Management.

Er freut sich besonders darüber, dass die Ehrenamtlichen von sich aus aktiv sind und immer schauen, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Mehr als 5.000 Bewerbungen seien eingegangen, die leider nicht alle berücksichtigt werden konnten, so Felix Velten.

Die Volunteers erleben, wie im praktischen Leben Inklusion funktioniert und haben einen ganz normalen Umgang mit Menschen mit einer geistigen Behinderung. Sie sehen, dass mitunter Hilfe nötig ist, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

„Sie werden nach den Spielen von der puren Freude am Sport in der Gemeinschaft berichten. Sie haben erlebt, wie Räume geschaffen werden, wo Behinderungen ganz normal sind. Sie werden zu Botschaftern der Inklusion“, ist sich Felix Velten ganz sicher. Swati und Robin gehören auf alle Fälle dazu.

Hartmut Augustin